Südfriedhof und Zauberflöte

Wir parken am alten Messegelände in Leipzig. Von dort aus ist der Südfriedhof fußläufig gut erreichbar. Einen kleiner Abstecher zu Napoleon können wir uns nicht verkneifen. Von hier spähte der Feldherr in alle Richtungen und hielt den Feind unter Kontrolle.

In direkter Nachbarschaft zum Südfriedhof ist das Völkerschlachtdenkmal gelegen.

Als Vorbild für die Friedhofskirche stand das Kloster Maria Laach in der Eifel Pate.

Wir sind heute hier, weil wir immer mal gerne durch Friedhöfe spazieren und weil gerade heute noch besonderes Friedhofspublikum zu erwarten ist. In Leipzig findet nämlich über das gesamte Pfingstwochenende das alljährliche Gothic-Festival statt.

140 Jahre alt, 78 Hektar groß ist der mit reichlich Gehölz bepflanzte Parkfriedhof. Der Hauptweg ist der Form eines Lindenblattes nachempfunden, inspiriert durch den Namen der Stadt.

Im Auf und Ab vor allem der jüngeren Geschichte wurden die „besten Plätze“ je nach politischer Ausrichtung im Staat gerne umgewidmet und die Gräber so kurzerhand an andere Verstorbene vergeben. Dazu gibt es einen hörenswerten Podcast:

https://www.mdr.de/kultur/podcast/weltgeschichte/podcast-weltgeschichte-leipziger-suedfriedhof100.html

Wir suchen heute bekannte Namen, auffällige Grabstätten, die Vielfalt der Natur und … Gothics.

Kurt Masur erhielt von der Stadt Leipzig ein Ehrengrab.

Kammersänger und weitere Künstler liegen hier Seite an Seite in geweihter Erde.

Der Buchfink freut sich über die prächtigen Rhododendren, die hier überall Farbakzente setzen.

Gothics beim Fotoshooting

Grabpyramide

Krematorium

… kann heute besichtigt werden.

unter dem Krematorium befindet sich das

Kolumbarium

Die Urnengräberstätte wird heute auch gerne als Spot genutzt.

Rhododendronallee

Dieses Herz hat seinen Zweck erfüllt und kann nun weg.

Lassen sich bereitwillig fotografieren und freuen sich über ein Kompliment.

Der gebuchte Fotograf wartet, das Zeitfenster muss eingehalten werden.

Trabis können für Rundfahrten gemietet werden.

Wir verlassen Friedhof und Messegelände, denn wir haben in der Oper zwei Plätze gebucht. Also auf ins Stadtzentrum!

Ein luftiges Bühnendach überspannt einen Teil des Marktplatzes.

Oper

Dieses Treppenhaus gibt‘s schon auf meinen Seiten. Damals war es bei Salome, heut wird es die Zauberflöte sein.

Während der Pause ergibt sich Gelegenheit, in den Orchestergraben zu spähen.

Heute ist Familientag in der Oper, weshalb viele Kinder – vor allen im Grundschulalter – mit ihren Eltern zum Opernpublikum gehören. Bewundernswert ist die Ruhe, die während der Aufführung herrscht. Kein Mucks ist zu hören, alle sind gebannt von der Musik, den Stimmen, der Inszenierung, der Handlung und den Kostümen.

Als wir die Oper nach kurzweiligen drei Stunden (incl. 30 Min. Pause) verlassen, wird gerade die Glocke auf dem Ägyptischen Museum angeschlagen.

Vor gerade einmal 20 Tagen, am 4. Mai endete an dieser Stelle die tödliche Fahrt eines Amokfahrers, der auf seiner 450 Meter langen Wahnsinnsfahrt mit einem SUV zwei Menschen aus dem Leben gerissen hat.

Heute sind alle Zugänge zur Innenstadt mit schweren Pollern gesichert.

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Merseburg

Vor gut einem Jahr waren wir schon einmal hier. Damals waren wir in Zeitnot und konnten nur einen kurzen Blick in den Dom riskieren. Inzwischen aber wissen wir als regelmäßige Podcasthörer von den heidnischen Merseburger Zaubersprüchen, die bereits vor über 1000 Jahren – pikanterweise in einem christlichen Buch – aufgeschrieben worden waren und nun in der Schatzkammer präsentiert werden.

Ein kurzer Stop vor den Toren Merseburgs:

Merseburg

Wir sind am Ziel!

Evangelische Kirche

Marktplatz mit Staupenbrunnen und -säule (links im Bild) und Rathaus (rechts im Bild)

Bei hochsommerlichen Temperaturen marschieren wir hoch zum Dom, um die uralten Zaubersprüche in Augenschein zu nehmen.

Eindeutig zu viele Schilder vor diesen altehrwürdigen Gemäuern.

Wir sind am Ziel und doch nicht wirklich. Es wird geheiratet im Gotteshaus, die Zaubersprüche müssen noch 90 Minuten ohne uns verharren.

Inzwischen marschieren wir am Saaleufer entlang zu einem ehemaligen Kloster.

Friedhofskapelle

So richtig können wir hier auch nicht landen…

Orangerie

Der Legende nach hat sich hier die Gabel abgedrückt, die Bischof Thilo im Mittelalter nach dem Teufel geschmissen hat. Die langweiligere Version ist, dass ein Arbeiter bei der Brotzeit seine Gabel in der noch weichen Schlacke abgelegt hat.

Hurrah! Der Ehebund ist geschlossen – der Weg zu den Zaubersprüchen frei.

Ladegast-Orgel

Es wird geprobt: Orgel mit Saxophon oder vielleicht besser formuliert Orgel gegen Saxophon

Da liegen sie nun vor uns.

Auf Knopfdruck liest eine Stimme die Verse in althochdeutsche Sprache vor, wir können auf dem Bildschirm die Übersetzung in unserer heutigen Sprache mitlesen.

Zum Podcast von MDR KULTUR geht’s hier:

Als die Deutschen noch an Wotan glaubten – Die Merseburger Zaubersprüche

Zurück zum Dom durch den Kreuzagang:

Deutlich im Gemäuer eingeritzt hat der Teufel seine Krallen.

Eine Frau als Dompröbstin – vor 250 Jahren?

Durch vier Schlösser gesichert steht der Cranach-Altar in der Michaeliskapelle.

St. Sixti

… eine Ruine geht noch am Ende unseres Merseburg-Rundganges.

St. Maximi

ist direkt gegenüber gelegen und ist heute nur noch eine Friedhofskapelle.

Gotthardteich

Ein Stück Heimat! Ein Suevit aus dem Nördlinger Rieß.

Zeithungrige Tauben bevölkern die Sonnenuhr, die auf 17:00 Uhr zeigt.

Diese Sonnenuhr hat sich ein schattiges Plätzchen ausgesucht und verweigert in Folge dessen ihre Dienste.

Eigens für Fotografen hat die Stadt ein Plätzchen mit Aussicht auf das Schloss-Dom-Ensemble ausgewiesen.

Wenige Schritte weiter rechts sind zwar nicht alle Turmspitzen zu sehen, doch der Vordergrund sorgt für ein attraktiveres Gesamtbild.

Altscherbitz

Auf dem Nachhauseweg fällt eine Erinnerungstafel auf, an der wir noch kurz innehalten.

Ein Fleckchen Erde mit doppelt fragwürdiger Vergangenheit also.

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Leipzig – Auensee

Lange Anfahrt, diesmal: viele LKWs, zahlreiche Baustellen, mehrere Unfälle.

Gut sechs Stunden waren wir heute unterwegs – eine Runde Fußmarsch um den Auensee zum Ausgleich dringend von Nöten.

Der Urlaub kann beginnen.

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