Herbstferien! Erfurt steuern wir an. Am Stadtrand gibt es einen neuen Campingplatz, von wo aus wir nicht nur Erfurt erkunden werden.
Nach einer staufreien Anfahrt empfängt uns beim Einchecken eine auffallend freundliche Rezeptionistin, die bereitwillig allerlei Auskünfte zu Platzbenutzung und Busverbindungen verkündet.
Der Wohnwagen steht zügig an seinem Plätzchen, die Nachbarn genießen die warme Oktobersonne vor ihren rollenden Behausungen und wir machen uns auf den Weg in die Stadt. Heute erst mal zu Fuß, um nichts zu verpassen, was möglicherweise fotografiert werden möchte.
An der Drachenabflugrampe bei Böhming scheint heute genügend Thermik zu herrschen, nachdem sich der Nebel aufgelöst hat:
Ein Seidenschwanz, jetzt schon?
Schwäne künden ihren Flug zum Fotografen-Glück immer durch unverkennbare Fluggeräusche an.
Diese Schilder stehen hier in Kipfenberg überall herum. In allen Größen und auf Augenhöhe für jeden Hund und manchmal auch fürs Herrchen oder Frauchen gut erkennbar. Scheint ein echtes Problem zu sein im keinen Touristenort. Hoffentlich sind es nicht die Vierbeiner der Touris, die den Schilderwahn erforderlich machen.
… ist unscheinbarer als sein blauer großer Bruder in Blaubeuren. Tauchen scheint eher nicht möglich zu sein. Sieht eher nach einem steinigen Natur-Kneippbecken aus.
Ein paar Wanderwege haben wir uns für künftige Herbstwochenenden noch aufbewahrt. Diesmal war’s jedenfalls herrlich herbstlich entspannt.
Als der Nebel sich am späten Vormittag allmählich auflöst erschwitzen wir den reichlich steilen Aufstieg am Michelsberg.
Kontrollblick: Die Altmühl plätschert in ihrem Bett an unserem Bett vorbei.
Ab jetzt sammelt Oma-Liese Pilze.
Wer keine Pilze mag, muss ja nicht weiter schauen 😉 aber Herbstzeit ist eben einfach Pilzzeit!
Arnsberg, oberhalb die Burg Arnsberg.
Die Arnsberger Leite – Von da kommen wir gerade und konnten nun ein einsames Ruhebänkchen mit Blick auf diese steile Felsformation ergattern.
Mistel, der Schmarotzer hat sich eine Kiefer als Wirtspflanze ausgewählt. So nah war die Oma-Liese einem Mistelzweig noch nie! Hinge er nicht unerreichbar genau einen Meter entfernt vom sicheren Boden über dem Abgrund, könnte die Oma ihn aus dem Stand abschneiden.
Sonnige Herbsttage verspricht das Wochenende, Kipfenberg im Altmühltal bietet schöne Wanderwege in reizvoller Landschaft. Was gibt’s da noch zu überlegen?
Auf dem Campingplatz direkt an der Altmühl kann man gemütliche Hütten oder Fässchen mieten…
es gibt Radlerhäuschen…
Fitnessgeräte für Nichtradler…
und reichlich Platz für unseren nagelneuen Wohnwagen 🙂
In Nullkommanix steht der Wohnwagen an seinem Plätzchen, der Strom ist angeschlossen, das Gas aufgedreht und der Wassertank aufgefüllt. Die Sonne lockt, eine kleine Nachmittagswanderung ist noch drin.
Zur Burg Kipfenberg wollen wir hoch. Besichtigung ist leider nicht möglich, denn die Burg vom Ritter Kropf ist dauerhaft geschlossen.
Das Römer- und Bajuwarenmuseum hat seine Pforten heute auch schon verriegelt. Wir sind ein halbes Stündchen zu spät dran. Macht nix! Bei dem Wetterchen sollte man sich nicht in dunklen Museen herumtreiben.
Geschafft!
Reizvoll die herbstliche Natur im Sonnenlicht.
Nachdem wir nun auch noch den Mittelpunkt gefunden haben, wandern wir zurück zum Wohnwagen.
Mitten auf dem Weg von der Sonne verlassen wurde die kleine Blindschleiche. Da muss sie nun verharren, bis die Temperaturen wieder steigen.
Hoffentlich bewahrheitet sich die Wetterprognose für Basel, denn hier in Lörrach jagt ein Regenguss den nächsten. Am heutigen Tag werden wir die schweizer Grenzstadt erkunden.
Vom Messegelände aus werden wir die Altstadt erlaufen, damit der Oma-Liese nichts entgeht und sie alles im Bild festhalten kann.
Geht schon gut los:
Ein Himmelsloch
Keine Schweizer Uhr? Eine Wetterstation made in …?
Rathaus
Weiter geht’s mit Eindrücken aus der Stadt Basel
Spalentor
Spalenbrunnen
Dann wieder die Stadt:
Münster
Unter der Vierung soll die Krypta liegen.
Die Baseler wollten es genau wissen und haben ihr Münster komplett auf links gedreht. So können sie heute die Entstehungsgeschichte ihres Gotteshauses detailliert nachvollziehen. Klar ist, dass die allerersten Fundamente aus dem Jahr 820 n.Chr. stammen. Jeden später hinzugefügten Stein können die Baseler exakt datieren.
Die kleine, reichlich warme und feuchte, für unseren Geschmack überfüllte Krypta verlassen wir zügig und machen uns jetzt auf die Suche nach dem Grab des Erasmus von Rotterdam.
Die komplette Kirchenbestuhlung besteht aus diesen hölzernen Stühlen, von denen jeder ein ganz eigenes Schnitzkunstwerk in der Rückenlehne beherbergt.
Wo liegt Erasmus?
Im Kreuzgang vielleicht?
Auf der Tischplatte steht zu lesen:
Wir verlassen das Gotteshaus für einen Moment, um einen kleinen Ausflug auf die Rheinterrasse zu unternehmen.
Könnten Elefanten sein?
Eine Schweinehatz?
Ein kleiner Fährbetrieb
Wasserangelegnheiten:
Wir suchen weiter nach dem großen Reformator und kehren zurück in den Kreuzgang:
Unsere Suche soll diesmal erfolglos bleiben. Bronzenes Gemüse finden wir noch, bevor wir für heute den Rückzug antreten.
Vor dem Münster spielt sich Zauberhaftes ab:
Jede Menge Kinder hatten jede Menge Spaß und jede Menge Erwachsene auch.
Ein kleines Verwirrspiel:
Am Häuschen des Seidentuchhändlers kommen wir noch vorbei:
Ja, das Wetter hat gehalten. Den ganzen Tag kein Regentropfen in Basel.
Eine wunderschöne alte Stadt, die schon seit ewigen Zeiten keinen Krieg mehr erleben musste und deshalb noch so viele alte Schätze vorzuweisen hat.
Gefühlt eine halbe Ewigkeit waren wir gestern auf Baden-Württembergs Autobahnnetz unterwegs bis wir nach sage und schreibe vollen sieben Stunden jedoch nur 380 Kilometern in Lörrach ankamen. Das Womo hatten wir vor vier Tagen gegen einen nagelneuen Wohnwagen getauscht, damit uns das motorisierte Gefährt keine Streiche mehr spielen kann.
Die Fundation Beyeler in Riehen, einem Vorort von Basel stellt Werke von Piet Mondrian aus. Eine gute Gelegenheit, unseren Neuerwerb zu testen. Vor zwei Jahren führte uns die Ausstellung mit Werken von Edward Hopper zum ersten Mal hier her und schon damals war klar, dass wir bei nächster Gelegenheit hier wieder eine Kunstausstellung besuchen würden. Dass Mondrian nicht nur bunte rechteckige Flächen, durch schwarze Linien abgegrenzt auf die Leinwand bringen konnte, war beim Anblick des Ausstellungsplakates sofort klar und die Neugier war geweckt.
Heute gibt‘s nur Handyfotos, denn Profikameras sind bei Kunstausstellungen erfahrungsgemäß nicht gerne gesehen. Damit keine bösen Überraschungen wegen Urheberrechtsverletzungen drohen, erscheinen im Blog besser keine Fotos, wenn‘s auch schwer fällt.
Ja, hier sind wir richtig! Die kunterbunte Vogelkäfig-Installation zierte vor zwei Jahren auch schon den Eingangsbereich des Hofes der Fondation Beyeler.
„Frau mit Spindel“, dunkle Küche, Frau mit Haube sitzt am Holzküchentisch und arbeitet mit einer Spindel. Wer hätte denn das geahnt? Ein typisches Motiv für einen guten holländischen Maler.
Daneben “Komposition mit schwarz und weiß, mit Doppellinien“. Also doch: die Linien, die Rechtecke, schwarz, weiß. Piet Mondirian! Fehlen nur noch die Grundfarben…
und dann bricht er wieder durch, der Holländer: „Oostzijder Mühle am Fluss Gein bei Mondschein“.
Aber jetzt: „New York City“! Rechtecke, Linien, Grundfarben. Doch irgendwie…? Die Linien sind nicht schwarz, sondern sie sind es, die in den Grundfarben erscheinen. Die Straßenzüge von New York City, bunte Klebebänder unregelmäßig regelmäßig ineinander verwebt, auch mal geflickt. Der Künstler experimentiert noch.
Dann wieder die Liebe zur Heimat – und gleich so vielfältig. Landschaftsbilder, Zugbrücke, Pappeln, Dörfchen und dann wieder die Windmühle, diesmal in grau vor diesem Himmel in abendlichem Grün-Gold-Blau! Fantastisch!
„Kirchturm in Zeeland“- kennen wir, da waren wir schon und haben die Landschaft erradelt.
Daneben „Kirchturm in Domburg“ in schrillem Pink und Violett vor unfassbarem Blau und Grün. Mutig, modern.
„Leuchtturm bei Westkapelle mit Wolken“ neben „Komposition mit Blau und Weiß“.
Zusammenhänge und Entwicklungen werden klar erkennbar.
Gut, in der Ausstellung zu sein, draußen regnet es immer wieder…
Meer, Dünen, Sonnenblumen, Chrysanthemen, Bäume, dazwischen Selbstbildnisse. Dann wieder Kompositionen mit schwarzen Linien auf unterschiedlichen pastellfarbenen Hintergründen.
Dann die ersehnten Werke mit den schwarzen Linien und den bunten Rechtecken. Da denkt man:“Kennst du eines, kennst du alle.“ Das täuscht! Hat man das Glück, mehrere in einem Raum vergleichen zu können, erkennt man, wie unterschiedlich sie doch eigentlich sind.
Man muss vor den Bildern stehen, um sie erleben zu können. Kein Foto kann transportieren, was ein Originalgemälde ausstrahlt und wenn’s nur schwarze Linien, Rechtecke und die drei Grundfarben sind. Auf nach Basel! Bis 9. Oktober 2022 ist noch Gelegenheit.
Wenn man dann schon mal hier ist, kann man auch gleich einen Blick auf andere Schätze werfen:
Rothko, Matisse, Miro und Picasso können aus nächster Nähe betrachtet werden und ihre Wirkung auf den Kunstfreund an den großflächigen Wänden der Sammlung Beyeler entfalten. “Poltergeist“ von Rachel Whiteread füllt sogar einen eigenen Raum, um Gartenhäuschenträume zum Leben zu erwecken.
Das Gebäude selbst kann sich im Übrigen auch sehen lassen.
Wir verlassen das Gesamtkunstwerk und freuen uns auf das nächste Mal.
Im Parkhaus finden wir ein Beispiel für wahre Gleichbehandlung.